Historischer Speicherbau von 1679 wird Herzstück eines genossenschaftlichen Quartiersprojekts
Die Sanierung der denkmalgeschützten Alten Scheune in der Jesinger Hauptstraße 75/1 im württembergischen Unterjesingen hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Mit dem Richtfest feiern die Beteiligten am Freitag, 25. September 2026, um 15.30 Uhr den sichtbaren Fortschritt der Arbeiten an dem historischen Bauwerk. Dessen Sanierung – konkret Zimmererarbeiten, Dachdeckung und Gipsarbeiten – konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) dank zahlreicher Spenden sowie der Erträge der Lotterie GlücksSpirale mit 100.000 Euro unterstützen. Für die Stiftung wird Reinhard Lüderitz vom DSD-Ortskuratorium Tübingen am Richtfest teilnehmen und sich die Fortschritte an dem Denkmal vor Ort ansehen.
Die Alte Scheune gehört zum genossenschaftlichen Projekt „Auf der Mauer“, mit dem im Ortskern von Unterjesingen eine neue Ortsmitte entsteht. Während zwei der Neubauten bereits ihre Ziegeldächer erhalten haben und es an Haus Ost ebenfalls vorangeht, schreiten auch die Arbeiten an der historischen Scheune voran. Zahlreiche Handwerksbetriebe aus den Bereichen Rohbau, Zimmerei, Trockenbau, Fensterbau, Flaschnerei, Elektro sowie Heizungs- und Sanitärtechnik arbeiten an der Wiederherstellung des Gebäudes.
Die Bauzeit der Scheune wird auf das Jahr 1679 datiert. Damit zählt sie zu den ältesten erhaltenen Wirtschaftsgebäuden des Ortes. Es handelt sich um einen klassischen, eingeschossigen Holzgerüstbau mit zweigeschossigem Satteldach. Besonders bemerkenswert ist die komplizierte Fachwerkkonstruktion, die sich den topografischen Gegebenheiten des Hanggrundstücks anpasst und über ungewöhnliche Versprünge im Gefüge sowie teilweise stockwerkhohe Rautenfelder verfügt.
Darüber hinaus dokumentiert die Scheune die landwirtschaftlich geprägte Siedlungsstruktur Unterjesingens und ist ein anschauliches Beispiel für einen vormodernen Speicher- und Lagerbau auf dem Land.
Besonders ist nicht nur das Denkmal selbst, sondern auch die Art seiner Rettung. Bürgerinnen und Bürger haben sich zur Genossenschaft „Unterjesingen. gut. leben – in jedem Alter eG“ zusammengeschlossen und engagieren sich für die Zukunft des Areals. Nach einem mehrjährigen Quartiersentwicklungsprozess nimmt das Vorhaben nun Formen an. Die Scheune soll systematisch in die neu entstehende Ortsmitte eingebunden werden und erhält erstmals eine gemeinwohlorientierte Nutzung.
Während das Gebäude zuletzt nahezu ungenutzt war und lediglich als Abstellraum für historische Feuerwehrgeräte diente, soll es künftig als offener Treffpunkt für das Quartier und den gesamten Ort dienen, als Ort für Veranstaltungen, als Café. Für die Bewohnerinnen und Bewohner des genossenschaftlichen Wohnprojekts wird die Scheune zugleich ein gemeinschaftliches „Wohnzimmer“ sein. Darüber hinaus soll sie als Stadtteiltreff breit für die Bevölkerung geöffnet werden.
Die Alte Scheune in Unterjesingen ist eines der mehr als 440 Denkmale, die die Deutsche Stiftung Denkmalschutz allein in Baden-Württemberg dank privater Spenden, der Erträge ihrer Treuhandstiftungen und der Mittel der GlücksSpirale, der Soziallotterie von Lotto, fördern konnte. |