Ăltester Okapi-Bulle Europas aus gesundheitlichen GrĂŒnden eingeschlĂ€fert
Ende Juli 2026 musste der Okapi-Bulle Vitu im Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart aufgrund von alters- und krankheitsbedingten Leiden eingeschlĂ€fert werden. Der im Zoo von Basel zur Welt gekommene Vitu wurde 28 Jahre und 4 Monate alt. Vor seinem Tod war er das Ă€lteste Okapi in Europa. In den Wochen zuvor hatte sich Vitus Gesundheitszustand zunehmend verschlechtert. Dr. Tobias Knauf-Witzens, leitender Tierarzt in der Wilhelma, erklĂ€rt: âVitu konnte sich zuletzt nur noch schlecht fortbewegen. Er fraĂ kaum mehr und zeigte immer deutlichere Alterserscheinungen. Um unnötiges Leiden zu vermeiden, mussten wir die Entscheidung treffen, ihn zu euthanasieren. Nach der Obduktion wird sein Körper dem Staatlichen Museum fĂŒr Naturkunde Stuttgart fĂŒr wissenschaftliche Zwecke ĂŒbergeben.â
In die Wilhelma kam Vitu bereits 1999 im Alter von 1,5 Jahren. Zwischen 2005 und 2015 wurde er sechsmal Vater. Ăber verschiedene Zoos verteilt leben heute noch 17 seiner Nachkommen in insgesamt vier Generationen. Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin verdeutlicht, warum das so bedeutsam ist: âIn der Natur kommen Okapis ausschlieĂlich in den RegenwĂ€ldern im Norden und Nordosten der Demokratischen Republik Kongo vor. Aufgrund ihrer heimlichen Lebensweise und oft schwer zugĂ€nglicher LebensrĂ€ume weiĂ niemand genau, ob es von ihnen noch 10.000, 30.000 oder vielleicht doch mehr gibt. Fest steht jedoch: Lebensraumverlust, Wilderei und politische InstabilitĂ€t bedrohen die Wildpopulation. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft das Okapi daher als âstark gefĂ€hrdetâ ein. Eine Reservepopulation in menschlicher Obhut ist darum wichtig, um die Zukunft der Art zu sichern. Unser verstorbener Okapi-Bulle hat dafĂŒr einen wertvollen Beitrag geleistet.â
Bei Okapis handelt es sich um kurzhalsige Waldgiraffen. Sie erreichen eine Schulterhöhe von rund 1,5 Metern. Okapis ernĂ€hren sich fast ausschlieĂlich von frischem Laub, was sie in zoologischen GĂ€rten zu anspruchsvollen Pfleglingen macht. Trotz ihrer GröĂe wurde die Art, obwohl sie den Menschen im Kongo lange bekannt war, von europĂ€ischen Forschungsreisenden sehr spĂ€t entdeckt und erst Anfang des 20. Jahrhunderts wissenschaftlich beschrieben. In Europa werden Okapis seit 1956 erfolgreich gezĂŒchtet, in der Wilhelma seit 1989. Alle Zoos, die Okapis halten, leisten zudem einen alljĂ€hrlichen finanziellen Beitrag fĂŒr das Okapi Conservation Project, das sich im kongolesischen Ituri Forest fĂŒr das Ăberleben der dortigen Okapi-Population einsetzt. |