Für Kontinuität und Planungssicherheit des städtischen Förderprogramms mit besonderer Klimaschutzrelevanz
Nachfolgend ein Brief, den ein breites Bündnis aus Klima- und Umweltinitiativen, Genossenschaften, Stiftungen und Unternehmen aus der Energiebranche am 20.07.2026 an die Freiburger Gemeinderät:innen sowie die Bürgermeister:innen gerichtet haben. Der Brief entstand als Reaktion auf den plötzlichen Antragsstopp des Förderprogramms Klimafreundlich Wohnen und thematisiert die Notwendigkeit der Ausstattung ausreichender Fördermittel des Förderprogramms Klimafreundlich Wohnen, welches Freiburger Gebäudeeigentümer:innen finanziell hinsichtlich Sanierungsmaßnahmen und Mietende beim Thema Balkonsolar unterstützt. Kontinuität hinsichtlich des Förderprogramms ist unser Meinung nach essenziell für das Erreichen der ambitionierten Klimaziele der Stadt Freiburg im Bereich des privaten Gebäudebestandes.
Sehr geehrte Gemeinderät:innen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Bürgermeister und Bürgermeisterinnen,
mit großer Sorge haben wir zur Kenntnis genommen, dass die Gelder für das städtische Förderprogramm „Klimafreundlich Wohnen“ ausgeschöpft sind und ein sofortiger Antragsstopp verhängt wurde.
Als Zusammenschluss von Umwelt- und Klimainitiativen, Energieberatenden sowie Unternehmen aus den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbare Energien und nachhaltiges Bauen appellieren wir eindringlich an Sie, diese Entscheidung zu überdenken und die Programme weiterhin finanziell auszustatten.
Der Gebäudesektor spielt eine Schlüsselrolle beim Erreichen der städtischen Klimaziele. Ein erheblicher Teil der CO₂-Emissionen entsteht im privaten Gebäudebestand. Kommunale Förderprogramme schaffen finanzielle Anreize, senken Investitionshürden und motivieren Eigentümer:innen, energetische Sanierungen, Photovoltaikanlagen oder Maßnahmen an der Gebäudehülle umzusetzen. Gleichzeitig schlagen sie über Beratungsangebote die wichtige Brücke zwischen Stadtverwaltung und Bürgerschaft.
Die hohe Nachfrage zeigt den Erfolg der Programme: Allein in diesem Jahr wurden bereits 409 Förderanträge im Rahmen des Förderprogramms „Klimafreundlich Wohnen“ gestellt – überwiegend für Balkonsolar, Photovoltaik und Maßnahmen an der Gebäudehülle. Gleichzeitig wurde im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz dargestellt, dass durch Instrumente wie kostenfreie Energieberatungen, die direkte Ansprache der Bürger:innen und die städtischen Förderprogramme eine höhere Sanierungsrate als im Bundesdurchschnitt erreicht werden konnte.
Die Programme entfalten zudem eine erhebliche wirtschaftliche Wirkung. Jeder eingesetzte Förder-Euro löst ein Vielfaches an privaten Investitionen aus und stärkt regionale Handwerksbetriebe, Energieberatende, Planungsbüros sowie Unternehmen der Solar- und Sanierungsbranche.
Besonders kritisch sehen wir den kurzfristigen Antragsstopp im Hinblick auf die fehlende Planungssicherheit. Erst in den vergangenen Wochen wurden im Rahmen der Energiekarawane rund 100 Gebäudeeigentümer:innen umfassend beraten und gezielt auf die städtischen Förderprogramme hingewiesen. Viele dieser Menschen kalkulieren bei ihren Investitionsentscheidungen mit der angekündigten Unterstützung der Stadt. Teilweise werden Maßnahmen bereits umgesetzt oder stehen in den kommenden Monaten unmittelbar bevor. Ein plötzlicher Förderstopp gefährdet dieses Vertrauen erheblich und stellt die Verlässlichkeit kommunalen Handelns infrage. Dies trifft u.a. die einkommensschwachen Haushalte mit besonderer Härte, die sich ohne das Angebot der städtischen Förderung von 300 Euro pro Balkonsolaranlage, diese schlichtweg nicht leisten können. Diese Haushalte dürfen nach unserem Empfinden nun auf keinen Fall auf diesen Kosten sitzen bleiben.
Auch Unternehmen des regionalen Klimahandwerks informieren ihre Kundinnen und Kunden über die bestehenden Fördermöglichkeiten und berücksichtigen diese in der Beratung und Angebotsplanung. Fällt die Förderung kurzfristig weg, entstehen Unsicherheiten für alle Beteiligten und laufende Investitionsentscheidungen werden erschwert oder aufgeschoben.
Ebenso fehlt die notwendige Planungssicherheit für die mit der Durchführung der Programme beauftragten Institutionen. Für Energieberatungen, Bürger:innenansprache und Antragsbearbeitung wurden personelle Kapazitäten aufgebaut und bereitgestellt. Ein kurzfristiger Antragsstopp gefährdet diese Strukturen und erschwert eine kontinuierliche Umsetzung der kommunalen Klimaschutzmaßnahmen.
Wir erkennen ausdrücklich an, dass die angespannte Haushaltslage schwierige Entscheidungen verlangt. Gerade deshalb sollten diejenigen Maßnahmen erhalten bleiben, die nachweislich wirksam sind, erhebliche private Investitionen mobilisieren und gleichzeitig Klima, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen stärken. Bei relevanten Klimaschutzmaßnahmen zu sparen, während kostspielige Empfänge finanziert werden, halten wir für eine falsche Prioritätensetzung.
Wir bitten den Gemeinderat daher, sich insbesondere für folgende Punkte einzusetzen:
 das Förderprogramm „Klimafreundlich Wohnen“ für zukünftige Haushalte mit ausreichend Geldern zu versehen
 die Finanzierung für das laufende Jahr sicherzustellen,
 insbesondere die Förderung von Balkonsolaranlagen für Mieter:innen zu erhalten,
 die notwendige Kontinuität und Planungssicherheit für Bürger:innen, Unternehmen und die mit der Umsetzung beauftragten Institutionen zu gewährleisten sowie
 den privaten Gebäudebereich weiterhin als zentralen Baustein der Freiburger Klimastrategie zu stärken.
Die Förderprogramme sind zentrale Bausteine einer wirksamen, verlässlichen und sozial gerechten kommunalen Klimapolitik. Ein kurzfristiger Antragsstopp würde nicht nur den Klimaschutz in Freiburg zurückwerfen, sondern auch das Vertrauen in die Verlässlichkeit kommunaler Entscheidungen nachhaltig beschädigen.
Wir bitten Sie daher eindringlich, den Antragsstopp zurückzunehmen und ein klares Zeichen für Kontinuität, Planungssicherheit und einen wirksamen Klimaschutz in Freiburg zu setzen.
Mit freundlichen Grüßen |