Gemeinsames Statement mit Oberbürgermeister Martin Horn: Jede Form von Hass und Diskriminierung wird scharf verurteilt
An dem im Colombipark aufgestellten Foodtruck ist es zu antisemitischem Vandalismus gekommen. Die Stadt Freiburg sowie Vertrer*innen von zahlreichen Gemeinden und Institutionen verurteilen das entschieden. Der aktuelle Vorfall steht nicht für sich allein. Bereits Ende Februar kam es im Seepark zu Sachbeschädigungen an der dort erstmals eingerichteten Ramadan-Beleuchtung. Beide Fälle zeigen: Angriffe, die sich gegen Menschen aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Herkunft richten, treffen das friedliche Miteinander in der Stadtgesellschaft.
Der betroffene Foodtruck ist Teil eines neuen städtischen Probelaufs: Seit diesem Frühjahr testet die Stadt erstmals Standorte für mobile Gastronomie auf öffentlichen Grünflächen. Der Standort im Colombipark gehört zu den zentralen und gut sichtbaren Flächen.
Oberbürgermeister Martin Horn sagt: „Wir haben in Freiburg gestern einen antisemitischen Vorfall erlebt – und leider ist das nicht das erste Mal, dass sich Hass gegen Religionen richtet. Erst vor wenigen Monaten wurde unsere Ramadan-Beleuchtung gezielt beschädigt. Jetzt trifft es jüdisches Leben im öffentlichen Raum. Das ist inakzeptabel. Die antisemitischen Schmierereien verurteile ich aufs Schärfste. Für Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus oder jede andere Form von Hass und Hetze ist in Freiburg kein Platz. Wer Einrichtungen beschädigt und Menschen aufgrund ihrer Religion angreift, stellt sich gegen unsere Werte des respektvollen Miteinanders. Dem treten wir gemeinsam klar entgegen.“
Nikita Nikischin, Israelitische Gemeinde Freiburg: „Nicht mal eine Woche stand die erste koschere Einrichtung in Freiburg seit dem Holocaust und der Zerschlagung jeglicher jüdischen Infrastruktur in der Stadt vor über 80 Jahren ohne einen Fall von antisemitisch motivierter massiver Sachbeschädigung. Und das auch noch beinahe direkt gegenüber und keine 100 Meter entfernt vom NS-Dokumentationszentrum Freiburg. Ob die Täter sich dessen bewusst waren? Wir, als jüdische Gemeinde, fühlen uns jedenfalls an ältere und jüngere Geschichte erinnert. Wir bedanken uns bei Herrn Aloge und seiner Familie, dass sie dieses wunderbare und einzigartige Projekt realisierten und trotz aller Angriffe standhaft bleiben und weiter betreiben. Wir stehen bei jedem Schritt an ihrer Seite. Wir bedanken uns ebenfalls bei der Polizei für die schnelle Reaktion und umgehende Aufnahme der Ermittlungen und der Stadtgesellschaft für die Solidarität und den Zusammenhalt. All das ist gerade für uns weit mehr als nur Bekenntnis.“
Egalitäre Jüdische Gescher Gemeinde: „Wir, die Egalitäre Jüdische Gemeinde Gescher Freiburg, verurteilen den Vandalismus durch Graffiti und dem Bekleben von antizionistischen Stickern am Jaffa-Foodtruck. Wir sind sehr besorgt über die immer weiter voranschreitende Dekontextualisierung des Begriffes Zionismus. Zionismus bedeutet das Streben nach einem unabhängigen Jüdischen Staat. Zionist ist somit jeder, der sich für das Existenzrecht eines jüdischen Staates ausspricht – ob jüdisch, oder nicht. Israelbezogener Antisemitismus ist eine Gefahr für uns alle.“
Yakov Gitler, Chabad Lubawitsch Freiburg e.V: „Die Beschädigung des koscheren Foodtrucks in Freiburg ist ein Angriff auf jüdisches Leben und erfüllt uns mit großer Bestürzung. Wir danken Oberbürgermeister Martin Horn für seine fortlaufende Unterstützung der jüdischen Gemeinschaft und sein klares Engagement für ein respektvolles Miteinander in Freiburg. Wir stehen für eine Stadt, in der jüdisches Leben – wie alle Gemeinschaften – willkommen ist und sich zuhause fühlen kann.“
Ahmadiyya Muslim Jamaat Freiburg: „Wir verurteilen jede Form von Gewalt und Hass entschieden und lehnen insbesondere religiös oder rassistisch motivierten Hass in aller Deutlichkeit ab. Dies widersprecht den Werten des friedlichen Zusammenlebens und steht im klaren Widerspruch zum Islam – ganz im Sinne unseres Gründers, des Verheißenen Messias Mirza Ghulam Ahmad, der dazu aufforderte: ‚Verbreitet Frieden auf Erden.‘“
Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit: „Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit ist empört über den neuerlichen antisemitischen Vorfall und bedauert sehr, dass Bilal Aloge in existenzielle Schwierigkeiten kommt. Wir erklären uns solidarisch mit ihm und sind bereit, ihn zu unterstützen.“
Angela Heidler, Dekanin der Evangelischen Kirche Freiburg: „Der Angriff auf den Foodtruck mit koscherem Essen ist viel mehr als die Sachbeschädigung eines Gegenstands. Es ist ein Zeichen von Hass. Diesen erschütternden Angriff auf jüdisches Leben und Religion in Freiburg verurteile ich zutiefst. Jüdisches Leben hat einen festen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft. Bedrohung von Menschen und Missachtung von Religion und Lebensform haben keinen Platz. Solche Anschläge wollen Spalten und auseinandertreiben. Sie sind der Nährboden für Hass und Hetze. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir stehen für ein friedliches, respektvolles Miteinander, für Nächstenliebe und Offenheit, für Toleranz und Vielfalt. Diese Haltung schafft Raum für Zusammenhalt und lässt uns miteinander Menschen sein.“
Siegfried Huber, stellvertretender Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Freiburg: „Wir stehen ganz klar solidarisch an der Seite aller Menschen jüdischen Glaubens – sie sind „unsere älteren Geschwister im Glauben“ (Johannes Paul II.)“, so Siegfried Huber, stellvertretender Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Freiburg i.Br. „Politischer Dissens darf niemals mit Gewalt oder Hetzereien ausgetragen werden. Gewalt beginnt nicht erst dort, wo Menschen verletzt werden, sondern sie findet auch schon in Einschüchterung und Sachbeschädigung statt.“
Jörg Gräfingholt, Evangelische Allianz: „Wie sollen wir reagieren? Zuerst lasst uns für diese Menschen, die so etwas tun, beten. Und selber Gottes Liebe in unserer Stadt sichtbar machen. Sein Licht wird die Finsternis überwinden. Und unseren Freunden vom Jaffa werden wir umso mehr zur Seite stehen.“
Thomas Richter, Vorstand Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen: „Ich bin zutiefst betroffen, dass es in unserer Stadt Gewalt gegen jüdische Einrichtungen gibt. Menschen jüdischen Glaubens sind Teil unserer Gesellschaft und verdienen jeglichen Respekt. Zufällig war gestern die Vollversammlung der ACK; die Versammlung hat sich eindeutig und unmissverständlich gegen jeglichen Antisemitismus in Freiburg ausgesprochen. Die ACK steht für ein friedliches Freiburg und wird sich immer dafür einsetzen. |