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Samstag, 7. März 2026
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Reptilienjahr 2025 im Rückblick
Kleiner Antillenleguan © Zoo Basel
 
Reptilienjahr 2025 im Rückblick
Im vergangenen Jahr verzeichnete die Reptilienpopulation des Zoo Basel mehrere Veränderungen. Besucher:innen konnten erstmals die Fühlerschlange (Erpeton tentaculatum) sehen, zuchterprobte Tannenzapfenechsen (Tiliqua rugosa) wurden erworben, erfolgreiche Zuchten im Rahmen von Citizen Conservation erzielt und die Schweizer Erstnachzucht des Kleinen Antillenleguans (Iguana delicatissima) gelang. Gleichzeitig musste der Zolli Abschied nehmen – unter anderem vom letzten Stirnlappenbasilisken (Basiliscus plumifrons) – und der Tigerpython (Python bivittatus) ist vom Alter gezeichnet.

Reptilien im Aquarium
Die Fühlerschlange (Erpeton tentaculatum) lebt seit längerer Zeit im Vivarium, ist aber erst seit Ende letzten Jahres im Schaubecken 31 des Zoo Basel für die Besucher:innen zu sehen. Namensgebend sind zwei rund 1,5 cm lange Fortsätze am Kopf, die an Fühler erinnern und der Ortung von Beutetieren dienen. Die bis zu 90 cm lange Art bewohnt trübe Sümpfe, Seen und langsam fliessende Gewässer und Reisfelder in Thailand, Kambodscha und Südvietnam. Sie gehört zur Familie der Wassertrugnattern und besitzt hinterständige Giftzähne. Ihr Gift ist jedoch sehr schwach und für Menschen ungefährlich. Als Lauerjägerin verlässt sich die Fühlerschlange auf ihre Tarnung: Mit J-förmig gekrümmtem Vorderkörper wartet sie reglos im Wasser, lockt Fische durch feine Muskelzuckungen an und stösst blitzschnell zu. Die Art gilt als nicht gefährdet, wird jedoch europaweit nur in vier weiteren Zoos gehalten.

Drei weitere Paare
Die Tannenzapfenechse (Tiliqua rugosa) verdankt ihren Namen ihrem ungewöhnlichen Erscheinungsbild: Die grossen, rauhen und überlappenden Schuppen sowie der kurze, dicke Schwanz, der optisch dem Kopf ähnelt, lassen die Tiere wie kleine Tannenzapfen wirken. Die Art wird etwa 35 bis 40 cm lang. Ursprünglich aus dem südlichen Australien stammend, kennt die Art ausgeprägte Jahreszeiten und zieht sich während der kalten Monate in die Hibernation, die Winterruhe, zurück. Der dicke Schwanz dient dabei als Fettspeicher. Die Tannenzapfenechse ernährt sich überwiegend pflanzlich, nimmt aber auch Schnecken und Würmer auf, die für diese eher langsam bewegliche Art erreichbar sind. Sie lebt in trockenen Gebieten, in Galerie- und Eukalyptuswäldern, aber auch im offenen Gelände und in der Agrarlandschaft. Die Echse gilt als nicht gefährdet, wird in Europa jedoch kaum gehalten. Es gibt nur rund 20 Tiere in sechs Zoos, Nachzuchten sind noch seltener. Das liegt unter anderem an der geringen Vermehrungsrate: Die Tiere sind Kapazitätsstrategen – ihre Würfe bestehen meist nur aus einem oder zwei Jungtieren, die bei der Lebendgeburt schon fast halb so gross wie die Mutter sind. Zudem scheinen sie ein monogames Paarungsverhalten zu haben. Der Zoo Basel hält die Art seit 2017. Im vergangenen Jahr wurden drei weitere zuchterprobte Paare aus einer privaten Haltung in Deutschland erworben, in der die Spezies über Jahrzehnte erfolgreich gezüchtet wurde. Für sie wurde hinter den Kulissen eine spezielle Zuchtstation eingerichtet.

Wiederholte Zuchterfolge bei Citizen-Conservation-Arten
Wie bei den Tannenzapfenechsen zeigt sich auch in der Zucht von Amphibien und Reptilien, dass erfahrene Privathalter mit ihrer Expertise einen unverzichtbaren Beitrag zum nachhaltigen Zuchterfolg leisten. Um Zoos, Wissenschaftler:innen und private Halter besser zu vernetzen, wurde 2018 die Initiative «Citizen Conservation» gegründet. Mittlerweile betreut sie Erhaltungszuchtprogramme für 31 bedrohte Tierarten. Der Zoo Basel ist nicht nur im Aufsichtsrat und Fachbeirat der Reptilien dieser Stiftung aktiv, sondern beteiligt sich seit 2023 erfolgreich an Haltung und Zucht der vom Aussterben bedrohten Rio-Pescado-Harlekinkröte (Atelopus balios). Auch im letzten Jahr gelang erneut die Aufzucht von 330 Quappen, von denen 190 bereits eine neue Heimat in Schweizer Museen, schwedischen Schulzoos und deutschen Zoos gefunden haben. Insgesamt sind in Basel damit deutlich über 500 Jungkröten geschlüpft. Neu als Programm-Art aufgenommen wurde die Sakishima-Langschwanzeidechse (Takydromus dorsalis). Die Eidechse stammt von den japanischen Yaeyama-Inseln nahe der Ostküste Taiwans. Aufgrund der Zerstörung ihres Lebensraums ist sie auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als stark gefährdet (endangered) eingestuft. Im Zoo Basel wird die Art seit 2020 gehalten und erfolgreich gezüchtet – bisher wurden knapp 200 Nachzuchten registriert, davon 62 im vergangenen Jahr.

Schweizer Erstzucht des Kleinen Antillenleguans
Erstmals überhaupt in einem Schweizer Zoo gelang dem Zoo Basel die Nachzucht des Kleinen Antillenleguans (Iguana delicatissima). Die Art, die ursprünglich auf den Kleinen Antillen heimisch war, ist heute stark bedroht: Durch die Einschleppung des eng verwandten Grünen Leguans (Iguana iguana) wurden viele Populationen verdrängt oder hybridisiert. Seit 2018 gilt der Kleine Antillenleguan als vom Aussterben bedroht (critically endangered). Weltweit gibt es noch geschätzt 13’000 bis 20’000 reine Tiere in 15 Subpopulationen. In Europa wird die Art nur in einem Erhaltungszuchtprogramm auf Jersey gehalten, mit insgesamt 50 Tieren in 16 Zoos. Umso erfreulicher ist, dass die Jungtiere, die der Zoo Basel 2018 aus einer Beschlagnahmung erhielt, nun erstmals selbst Nachwuchs bekommen haben. Die Aufzucht erfolgte unter kontrollierten Bedingungen hinter den Kulissen.

Abschiede im Vivarium
Neben Schlupferfolgen und Neuankömmlingen gehören auch Todesfälle zum Alltag im Vivarium. So ist der letzte Stirnlappenbasilisk (Basiliscus plumifrons) im vergangenen Jahr gestorben. Angesichts der Bedeutung dieser Art für die Stadt Basel bemüht sich der Zolli um Nachzuchten derselben oder einer eng verwandten Art.

Auch der Tigerpython (Python bivittatus) zeigt altersbedingte Veränderungen: Das Weibchen hat deutlich an Körpermasse verloren. Das ist jedoch nicht überraschend, da es seit dem 21. Juli 1991 im Vivarium lebt. Mit über 34 Jahren übertrifft es das in der Literatur angegebene Maximalalter und zählt zu den fünf ältesten Tigerpythons in europäischen Zoos.
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Eintrag vom: 05.03.2026  




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